Donnerstag, 8. November 2018

Wenn die Nuss einmal geknackt ist...


Du gehst durch die Gegend, bist ganz bei dir. Es kümmert dich nicht wer oder wie viele Menschen dich angaffen weil du bei 11° und Regen ohne Schuhe draußen rumläufst. Durch die Nässe des Regens auf dem Boden nimmst du den Untergrund NOCH EINMAL intensiver wahr und genießt dieses neue Gefühl sehr. Es ist dunkel. Du kannst dich noch besser fokussieren weil nicht so viele Menschen rumlaufen, du nicht so stark wahrgenommen wirst und weil du vielleicht selbst auch gerade ruhiger bist. Kein Stress. Niemand der abgeholt werden muss. Kein Termindruck.

*seufz* Schön. Du atmest ein, du atmest aus. Du bleibst stehen und freust dich, da vorne eine größere Pfütze zu sehen durch die du gleich laufen wirst. Entscheidest dich dann dafür, einfach drin stehen zu bleiben. Im Wasser zu spielen. Die Füße hin- und hergleiten zu lassen, das Wasser mit Füßen und Zehen zu bewegen. Du erinnerst dich an den Spaziergang am Wochenende durch das Kiesbett des Rheins. Es fühlt sich gut an, es ist schön. Du genießt es. Du läufst weiter, schaust kurz auf, bemerkst 2 junge Frauen die außen vor ner Kneipe sitzen und dich fragend ansehen. Du musst in dich rein grinsen. Du stellst dir vor, wie das wohl für dich gewesen wäre wenn du letztes Jahr im Herbst jemanden gesehen hättest der bei kaltem Wetter und Regen ohne Schuhe rumläuft und auch noch in ner Pfütze rumplanscht... Du hättest dich sicherlich gefragt ob diese Person ihre Medikamente schon  eingenommen hat ... 😅
Im Sommer?- Klar! Auf ner Wiese?- sowieso. Aber nicht bei Kälte und Regen. Sowas tun nur Verrückte.
Augustin kann im Schnee barfußlaufen 😎👍👣

Du wirst dir darüber bewusst, grinst, aber irgendwie ist es dir egal. Du bist es gewohnt, anzuecken. Dass Leute über dich reden. Du schiebst diesen unwichtigen Gedanken weg und kommst wieder zu dir. Zu deinen Füßen. Den Sohlen. Du lässt deinen Blick nur über den Boden streifen um besonnen auf Gefahren zu achten. Dabei merkst du dass Vieles einfach relativ wird. Dir wird bewusst dass du dich seit Mitte des Jahres wieder ein Stück verändert hast. Aber wann hat das begonnen und warum? Was war ausschlaggebend?  Immer mehr fühlst du dich mit Manchem verbunden, versuchst deinen Frieden zu machen. Kein Tierleid mehr wegen dir. Ein großer Schritt, ein guter. 4 Jahre Veganerin. Seit dem Sommer wieder mehr zu den Kleinigkeiten und den kleinen Lebewesen gefunden die dich immer wieder erden, friedvoll in ihren kleinen Kosmos ziehen. Kleine Blumen. Am Wegrand, übersehen. Da kommst du, entdeckst diese Schönheit und musst sie mit einem Foto festhalten.

Du bist vielleicht nicht religiös. Aber manches Mal kannst du dich dennoch nur wundern wie jedes kleine Tierchen, jede noch so kleine Pflanze anscheinend einem Plan zu folgen scheint (Bei Diesteln und Stechmücken bin ich mir da noch nicht so sicher!). Sich in einem Moment verlieren, in einer Sache, das sind kostbare und kostenlose Momente die dir sehr viel geben können wenn du nur Zeit und Gelegenheit hast. Wenn du sie dir nimmst!

Wir leben in einer oft hektischen Zeit. Die Devise lautet: Schneller, weiter, höher. Und wenn man aus den Windeln raus ist dann geht's gleich zur 1. Fremdsprache und Frühförderung. Zeit! Leistung! Masse!

Wo bleibt das ICH und das WIR. Und v. A.: wo bleibt bei diesem ganzen Einheitsbrei Platz für Individualität. Einer meiner Lieblings- Hashtags lautet:  #seiduselbst
Aber wer bist du? Machst du das was du willst oder was anderen gefällt? Machst du was man dir anerzogen hat und was man von dir erwartet, als

  • Vater eines behinderten Kindes
  • Mutter mit 2 Jobs
  • alleinerziehende Mutter
  • Kind von Akademikern
  • Singlefrau mit 40
  • Hartz IV- Kind
  • ...
Oder schwimmst du gerne mal gegen den Strom?

Wenn du in die Gesellschaft passen willst dann musst du dich anpassen. Aber wer legt das fest?! In den 1980- ern war es z. B. verpönt, sich schick anzuziehen. Locker und schräg war "In". Und jetzt?! Merkst du was?
Die Gesellschaft unterzieht sich immer wieder einem Wandel und dieser wiederholt sich oftmals. So what?! Ziehen wir doch einfach unser Ding durch mit der Gewissheit dass es noch viele andere gibt die über den Tellerrand schauen und nicht alles tun weil "man das einfach so macht" . Wenn sich also alles mehr oder weniger wiederholt, dann können wir uns doch endlich mal zu einer offenen Gesellschaft entwickeln die Andersdenkenden keinen negativen Stempel aufdrückt sondern sie einfach als willensstarke Individualisten ansieht und sie respektiert. Wir müssen nicht alle verstehen, noch müssen wir alles gut finden was andere tun. Aber wir können sie tolerieren. 



Wenn einmal die Nuss geknackt wurde dann isse offen. Wer einmal den Weg zu Meditation, Yoga, Spiritualität, Geistreisen u.v.m. gefunden hat kann sich dem was wirklich elementar ist nicht mehr verschließen. Umso trauriger erscheint es einem dass nicht jeder diesen Zugang findet.


Da die Nuss nun schon einmal geknackt wurde, steht mir die Tür offen und ich entdecke immer mehr Seiten an mir die mir gefallen und die ich schätze. Veganismus, Barfußlaufen und Yoga (leider viel zu selten) passen wunderbar zusammen und tun mir gut. Geistreisen (schamanische Reisen) haben mir die skeptischen Augen geöffnet darüber dass es noch andere Dinge gibt als nur das Offensichtliche.  Wer hätte gedacht, dass ich Zappelliese mal Yoga machen würde? Wer hätte gedacht dass ich mit meinen  häufigen Blasenentzündungen mal barfuß laufe und feststelle dass kalte Füße GAR NIX mit einer Cystitis zu tun haben?
Verlassen wir uns doch besser auf unsere Sinne und auf unsere natürlich vorhandene Intuition anstatt uns blenden zu lassen! Unreflektiert etwas zu übernehmen ist bequem, lässt uns aber stumpfsinnig und spießersich werden.
Halte die Augen und das Herz auf und du wirst merken wie besonders schön alles sein kann und, wie mein Lieblingsautor zu schreiben pflegte:
“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum beschreiten,...“ (HH, Stufen)

Denn es könnte alles viel Schlimmer sein. Sei dankbar ♥
Pass' auf dich auf 💓👣 

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